Weiss & Sohn, Zahnhobel, ca. 1892-1910
Der Zahnhobel

Das auffälligste Merkmal des Zahnhobels ist das steil stehende Hobeleisen. Der Neigungswinkel liegt je nach Modell zwischen 70° und 90°. Der zweite Unterschied zu einem "normalen" Hobel ist das Hobeleisen. Es hat keine glatte Schneide, sondern weist eine gezahnte, gerade Schneidkante auf, die dem Hobel auch seinen Namen gibt. Sie entsteht durch Rillen, die auf der der Fase gegenüberliegenden Seite des Eisens (dem sogenannten Spiegel) eingearbeitet sind. Und er ist etwas kürzer als ein Doppel- oder Putzhobel.

Funde von Zahneisen bei Ausgrabungen (z. B. in Homburg bei Saarbrücken) lassen darauf schließen, dass der Zahnhobel schon den Römern bekannt war.

Zahnhobel Harthobel Halle
Sprengel, Zahnhobel, 1778
Zahnhobel, Krünitz, 1789
Zahnhobel, Altmütter, 1825
Historische Entwicklung

So wie heute sah der Zahnhobel aber nicht immer aus. Johann Samuel Halle beschreibt ihn 1762 dem Schrupphobel gleich, das heißt mit normalem Schnittwinkel (ca. 45 Grad), aber mit einer etwas weniger gerundeten Schneidkante als beim Schrupphobel. Die steilere Hobeleisenstellung scheint dem Harthobel (deswegen auch Steilhobel genannt) vorbehalten gewesen zu sein, der aber mit einem normalen Schlichteisen verwendet wurde, um harte oder ästige, fladrige Hölzer sehr fein zu bearbeiten.

 

(Anm.: Bei einfachen Hobeleisen ohne Spanbrecher ist es ein probates Mittel, durch steilere Stellung des Eisens im Hobelkasten eine feinere Bearbeitung des Werkstoffes zu erreichen und gleichzeitig Ausrisse zu vermeiden. Man erzielt damit eher eine schabende Wirkung als eine schneidende, ähnlich einer Ziehklinge. Auch dieses Prinzip war schon den Römern bekannt. Es funktioniert bei harten Hölzern besser als bei Weichholz.)

 

Fast gleich ist die Beschreibung bei Peter Nathanael Sprengel (1778), nur die Schneidkante des Eisens ist bei ihm geradlinig, nicht bogenförmig.

Auch Johann Georg Krünitz beschreibt den Zahnhobel 1789 identisch mit dem Schrupphobel, fügt aber hinzu, dass der Harthobel sowohl mit Schlichteisen als auch mit Zahneisen verwendet wird.

Die Erfindung des Doppeleisens in England Ende des 18. Jahrhunderts machte den Harthobel überflüssig, die Verwendung eines Spanbrechers ermöglicht weitgehend ausrissfreies Hobeln auch bei normalem Schnittwinkel von 45 Grad.

Etwas widersprüchlich ist die Beschreibung des Zahnhobels bei Georg Altmütter (1825). Zuerst beschreibt er ihn identisch mit dem Doppelhobel (ein Schlichthobel mit Doppeleisen) und gibt auch gleich eine Beschreibung des englischen Doppeleisens. Einen Absatz später jedoch erscheint der Zahnhobel mit fast senkrecht stehendem Eisen. Der Harthobel kommt bei Altmütter nicht vor, sehr wohl aber später noch im "Atlas österreichischer Werkzeuge für Holzarbeiter" von Johann B. Weiss 1861 (In der Ausführung mit Metallsohle ist er sogar bis in die 1890er Jahre im Sortiment von Weiss & Sohn.)

Franz Wertheim schließlich beschreibt den Zahnhobel in seiner "Werkzeugkunde" 1869 nur noch in der im Wesentlichen bis heute beibehaltenen Form. Und er liefert auch die erste Farblithographie und technische Zeichnungen nicht nur der österreichischen Form des Zahnhobels, sondern auch seines englischen Pendants.

Zahnhobel, Werkzeugkunde, Wertheim, 1869
Zahneisen, Wertheim 1869
Wertheim Zahnhobel XI-298
Wertheim Zahnhobel XVIII-298
Wertheim Zahnhobel XI-299
Wertheim Zahnhobel XVIII-299

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich mich bei dieser kurzen Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Zahnhobels ausschließlich an deutschsprachigen Enzyklopädisten orientiere, mein Thema sind schließlich österreichische Werkzeuge. In England, Frankreich, den Niederlanden, Skandinavien oder Südeuropa mag die Entwicklung dieses Hobels, wie überhaupt die Entwicklung spezifischer Werkzeugformen, anders verlaufen sein. Ich verfüge jedoch nicht über eine ausreichende Zahl an Quellen, um dazu fundierte Aussagen zu machen.

Verwendung

Über den Zweck des Zahnhobels herrscht bei allen historischen Autoren Einigkeit. Er wurde vor allem für Furnier- und Einlegearbeiten verwendet, um dem Leim durch die aufgerauten Oberflächen bessere Haftung zu verleihen. Die genaueste Beschreibung dafür liefert Georg Altmütter, der schreibt, dass diese Technik vor allem bei harzigen oder bei besonders dichten Hölzern angewendet wurde, die den Leim nicht besonders gut annehmen. Der Sinn dieser Technik wurde seit dem 20. Jahrhundert zunehmend angezweifelt. Auch heute herrscht noch Uneinigkeit unter Tischlern, ob das Aufrauen der Oberflächen ("Zahnen" genannt) vor dem Verleimen von Furnieren tatsächlich eine Verbesserung der Haftung bringt.

Zweitens wurde der Zahnhobel auf ästigem oder fladrigem Holz verwendet, das bei bei Verwendung normaler Hobel stark zum Ausreissen neigt. Das Zahneisen hinterlässt auf dem Holz mehr oder weniger tiefe Furchen, die anschließend mit dem Schlicht- oder dem Doppelhobel weggenommen werden. Ausrisse werden auf diese Weise effektiv verhindert.

"Beim Schärfen darf man den am Spiegel entstehenden Grat nicht abziehen, da sonst die einzelnen Zähne der Schneide stumpf werden. Man entfernt ihn, indem man das geschliffene und abgezogene Eisen mit der Schneide durch einige leichte Schläge in Hirnholz treibt." (Zitat: Fachkunde für Tischler, Pätzold/Willer, Leipzig, Siebente Auflage 1954, Seite 169)

Zahnhobel nr9 tafel 1
Zahn-Rundstabhobel nr64 tafel5
Zahnhobel nr 217 tafel11
Zahn-Schiffhobel Wertheim tafel16
Zahn-Hohlkehlhobel nr63 tafel5
Zahn-Schiffhobel nr56 tafel5
Zahnhobel nr225 tafel11
Zahn-Schiffhobel Wertheim tafel32
Varianten

Neben der wohlbekannten Form als Bankhobel existierten früher auch andere Ausführungen des Zahnhobels.

Johann Baptist Weiss zeigt in seinem "Atlas österreichischer Werkzeuge für Holzarbeiter (1861)" einen Hohlkehlhobel (No. 63, Tafel V), einen Rundstabhobel (No. 64, Tafel V) und einen Schiffhobel (No. 56, Tafel V) jeweils mit steil gestelltem Zahneisen.

Außerdem erscheint der normale Zahnhobel noch in zwei weiteren Ausführungen, nämlich mit angeschraubter Eisensohle (No. 217, Tafel XI) und mit einer Sohle aus Pockholz (No. 225, Tafel XI).

In Franz Wertheims "Werkzeugkunde (1869)" scheint neben dem normalen Zahnhobel (und der englischen Version) nur der Schiffhobel mit Zahneisen auf.

Johann Weiss & Sohn produzierten die Zahn-Hohlkehl- und Rundstabhobel bis in die 1890er Jahre. Im ältesten mir bekannten Katalog von 1897 sind sie nicht mehr enthalten. Der Zahn-Schiffhobel war bis ca. 1918 im Sortiment.

Der normale Zahnhobel mit Eisensohle wurde bis in die 1890er Jahre angeboten, die Variante mit Pockholzsohle blieb wahrscheinlich bis zum Ende der Firma Weiss & Sohn in Produktion.

Im Katalog 1897 gibt es zusätzlich zum normalen Zahnhobel eine Variante mit senkrecht stehendem Eisen "für Fourniere". Außerdem werden beide Hobel mit "gewöhnlichem" oder fein gezahntem Eisen angeboten. Beide Versionen befanden sich bis zumindest 1930 im Sortiment.

Das grobe (gewöhnliche) Zahneisen hatte 8 Rillen pro cm, das feine 13 Rillen (siehe nebenstehende Originalzeichnung aus dem Jahr 1951).

Die hier gezeigte originale Konstruktionszeichnung eines Zahnhobels stammt aus dem Jahr 1950. Sie liefert nicht nur die genauen Abmessungen des Hobels selber, sondern auch die Abmessungen des Rohmaterials. Beide Zeichnungen befinden sich in meiner eigenen Sammlung.

Zeichnung Zahneisen Weiss & Sohn
Zahneisen fein und grob, Weiss & Sohn
Zahneisen fein und grob, Weiss & Sohn
Originalzeichnung Zahnhobel, Weiss & Sohn, 1950
Quellen:

Werkstäte der heutigen Künste oder die neue Kunsthistorie

Johann Samuel Halle, 1761 - 1779, Original aus eigener Sammlung

P. N. Sprengels Künste und Handwerke in Tabellen, Erste Sammlung, Zweyte und verbesserte Auflage

Peter Nathanel Sprengel, Berlin, 1778

(Link: Google Books)

Oekonomische Encyklopädie, Vier und zwanzigster Theil

Johann Georg Krünitz, Brünn, 1789

(Link: Google Books)

Beschreibung der Werkzeug-Sammlung des k.k. polytechnischen Institutes

Georg Altmütter, Wien 1825

(Link: ETH-Bibliothek Zürich, www.e-rara.ch)

Atlas österreichischer Werkzeuge für Holzarbeiter

Johann Baptist Weiss, Wien, 1861

(Link: Österreichische Nationalbank, Austrian Books Online)

Werkzeugkunde zum Gebrauche für technische Lehranstalten, Eisenbahnen, Schiffbau und Industrie-Gewerbe

Franz Wertheim, Wien, 1869

(Link zum Bildband: Wolfgang Jordan, holzwerken.de, Link zum Textband: Bayrische Staatsbibliothek)

Fachkunde für Tischler

Pätzold/Willer, Leipzig, Siebente Auflage 1954

Bildergalerien

Die folgende Galerie zeigt Abbildungen von Zahnhobeln aus Katalogen der Firma Weiss & Sohn. Die Firmen Vinko Zakman (Zagreb), S. Kauders (Tschechien), Anton Bayer (Graz) und Kaindl (Wien) waren Vertriebspartner der Firma Weiss. Nur zwei der gezeigten Hobel stammen von anderen Herstellern: auf Bild 1 ist ein Hobel von Johann Horak aus Prag zu sehen, auf Bild 3 ein Hobel von Jakob Weisz & Comp aus Pecs (Ungarn). 

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Dieser Zahnhobel von Weiss & Sohn, er stammt ca. aus den Jahren 1910 - 1918, befindet sich ständig in meiner Werkzeugkiste.

Die Patentnummern beziehen sich auf die Form des hinteren Ende des Hobelkastens. Die ausgeprägte Rundung sollte ein Splittern des Holzes beim Einstellen mit dem Hammer vermeiden. Links die Nummer des österreichischen Patentamtes, rechts die ungarische Patentnummer (ein schönes Beispiel dafür, wie Österreich-Ungarn funktionierte!).

Die eingeprägten Verzierungen an den Seiten wurden von einem seiner Vorbesitzer angebracht.

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Etwas älter ist dieses sehr schöne Exemplar von Johann Weiss & Sohn. Gebaut wurde er irgendwann zwischen 1892 und 1910.

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Aus der letzten Dekade der Firma Weiss & Sohn stammt dieser Hobel. Er wurde augenscheinlich niemals benutzt. Er trägt auch noch das Etikett des Werkzeughändlers, bei dem er seinerzeit gekauft wurde. Die Firma Rudolf Kmen besteht heute nicht mehr, sie befand sich in der Margaretenstraße 43 in Wien, in unmittelbarer Nähe der Zentrale der Firma Weiss & Sohn.

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Ein sehr schönes und ebenso seltenes Stück meiner Sammlung ist dieser Zahnhobel von Johann Hawel aus Wien. Die einzigen Aufzeichnungen, die von diesem Werkzeugmacher existieren, sind Adressbucheinträge aus den Jahren 1854 bis 1874.

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​© 2023 Hobel Austria, Reinhard Pascher

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