Die Anfänge, 1809 - 1840

Johann Weiß wurde am 19. Nov. 1788 in Reckartshausen in Bayern geboren. Er erlernte das Tischlerhandwerk, arbeitete danach in Deutschland und in Prag, bevor er 1809 nach Wien kam. Dort fand er eine Stelle in Franz Grubers Werkzeugfabrik. 11 Jahre später, im Jahre 1820, hatte er genug Kapital gespart, um sich als Werkzeugmacher selbstständig zu machen. Aus dem selben Jahr stammt auch der erste Eintrag in einem Adressbuch, und zwar als Tischler in Wien, auf der Wieden Nr. 579. Die Hausnummer 579 wurde im Zuge einer Neunummerierung in den Jahren 1820/21 zur Hausnummer Alleegasse 55, es handelte sich also um das Haus und die Fabrik des Franz Gruber. Weiß startete seine eigene Firma im Hause seines bisherigen Arbeitgebers.

Am 22. Sep. 1822 heiratete Weiß Cecilia Rapp aus Stetten. Das Paar bekommt drei Söhne: Vinzenz (1823), August (1825) und Johann Baptist (9. Juli 1829). Vinzenz wurde Techniker, August erlernte die Werkzeugmacherei im elterlichen Betrieb, Johann Baptist begann eine Lehre im kaufmännischen Bereich.

1826 erschien in der Wiener Zeitung eine Anzeige des „k.k. ausschl. privil. Gußstahl-Schneidewaaren-Fabrikanten“ Michael Feugl aus Senftenberg bei Krems, in der dieser bekannt gibt, seine Niederlage (Filiale) in Wien bei dem bürgerl. Tischlermeister und Werkzeugmacher Johann Weiß in der Josephstadt (Anm.: eigentlich St. Ulrich), Neudeggergasse Nr. 84 (Anm.: heute 8. Bezirk, Neudeggergasse 12), zu haben. Das versetzt Weiß in die Lage, seine Werkzeuge ebenso wie Franz Gruber mit „mit englischem Gußstahl plattirten“ Hobeleisen anzubieten. Gruber hatte 1823 ein eigenes Patent erworben und produzierte seine Hobeleisen und andere Schneidwerkzeuge selbst. Weiß, als bürgerlicher Tischler den Zunftbeschränkungen unterworfen, durfte das nicht. Also war diese Zusammenarbeit mit Feugl von größter Wichtigkeit für ihn. Privilegien und Fabriksbefugnisse spielten überhaupt eine große Rolle im gesamten Prozess der Industrialisierung vom Ende des 18. bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. (Mehr dazu in einem eigenen Artikel).

 

Wahrscheinlich 1828 siedelte Johann Weiß seine Firma um in die Lumpertgasse 715 (heute Kettenbrückengasse 4, 4. Bezirk). Die erste Werbeanzeige erschien im Oktober 1837 in der Wiener Zeitung, in der sich Weiß erstmals als Tischler-Werkzeug-Fabrikant bezeichnet, nicht mehr als Tischler. 1839 erfolgte ein weiterer Umzug, Johann Weiß kaufte ein Haus in der Laimgrube, Gärtnergasse 87.

 
Hobel 1820 - 1842 aus meiner Sammlung
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Auf dem Weg zum Industriebetrieb 1840 - 1850

Waren die 30er Jahre gekennzeichnet durch einen langsamen aber stetigen Aufschwung, so werden die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts eine zugleich schwierige und wegweisende Dekade für das Unternehmen. Vor allem die Jahre 1842/43 und 1847 erweisen sich als folgenreich.

Am 17. Oktober 1842 stirbt völlig überraschend Johann Weiß‘ Sohn August 18jährig an Typhus. Ein schwerer Schlag für den Vater, war August doch schon sehr ins Geschäft eingebunden und dafür vorgesehen, den Betrieb zu übernehmen. Vinzenz, der älteste Sohn, gab daraufhin sein Technikstudium auf, wurde Compagnon seines Vaters. 1843 erhielt die Firma die einfache Fabriksbefugnis, 1845 wurde Vinzenz als Gesellschafter im Handelsregister eingetragen und der Firmenwortlaut in "Johann Weiss & Sohn" geändert. Der erste Adressbucheintrag als Weiß und Sohn findet sich schon im selben Jahr.

Am 28. März 1842 stirbt Anton Gruber, der die Fabrik seines 1838 verstorbenen Vaters Franz sehr erfolgreich weiterführte, im Alter von nur 24 Jahren an Nervenfieber; und ohne Nachfolger. Schließlich erscheint dann in diesem Jahr auch jener Mann auf der Bildfläche, der sich für das restliche Jahrhundert als fast übermächtiger Konkurrent für die Firma Weiß & Sohn erweisen sollte: Franz Wertheim, Kaufmann aus Krems an der Donau. Er gründete in Rehberg bei Krems mit einem Privilegium auf stahlplattierte Werkzeuge (zusammen mit dem Zeugschmied Georg Gleischner) eine privilegierte Fabrik für Hobeleisen. Anfang 1843 wurde er dann zunächst Compagnon bei Michael Holzer, der Grubers Fabrik samt dessen wertvollem Privilegium gekauft hatte, Mitte 1843 übernahm er den Zeughammer in Scheibbs allein. Er war 28 Jahre alt, tatkräftig, energisch, durch mehrere Reisen nach England, Frankreich und Deutschland ein autodidaktischer Fachmann für Werkzeug und ein Marketinggenie, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.

Vinzenz Weiß erkannte die Bedrohung, die von Wertheim ausging. Weiß & Sohn hatten noch kein eigenes Privilegium, noch keine Fabriksbefugnis. Die Firma war im Wesentlichen noch ein Handwerksbetrieb und als solcher noch immer an Zunftbeschränkungen gebunden. Der erste Schritt erfolgte am 18. April 1843: Johann und Vinzenz Weiß erwarben ein Privilegium auf eine Maschine zur Herstellung eiserner Gewindebohrer. Damit war auch Weiß nun k.k.-privil.-Werkzeug-Fabrikant, die Zunftbeschränkungen fielen mit einem Schlag weg. Der zweite Schritt kam im Juli 1843: Joseph Herrmann, der ehemalige Werkmeister in Anton Grubers Stahlwarenfabrik in Scheibbs, hatte (ebenfalls im April) ein eigenes Privilegium auf stahlplattierte Werkzeuge erworben und damit eine privilegierte Fabrik gegründet. Weiß & Sohn beteiligten sich an diesem Privilegium als Compagnons. Am 10. Juli 1843 wurde die Zusammenarbeit in der Wiener Zeitung in einem ganzseitigen Inserat öffentlich gemacht, nicht ohne Hinweis darauf, dass Joseph Herrmann der einzige Werkmeister Grubers gewesen sei und nur er in der Lage sei, Schneidwerkzeuge in echt Gruber’scher Qualität herz